Ansprechpartner
Bernd Gerberding
Leitung Rettungsdienst
Tel.: 05151 4012-28
b.gerberding[at]drk-hameln-pyrmont[dot]de
Kaiserstraße 34
31785 Hameln
Wie funktioniert das? Der Rettungsablauf
Was passiert bei einem Einsatz eigentlich genau? Wie würde es mir ergehen, wenn ich selbst einmal in eine lebensbedrohliche Situation käme?
Organisation
Die Schnelligkeit der Hilfeleistung durch den Rettungsdienst ist für Gesundheit und Leben der Menschen im Ernstfall entscheidend. Aus diesem Grund wurde die sogenannte "Hilfsfrist" als Eintreffzeit definiert und festgelegt.
Die Eintreffzeit bezeichnet den Zeitraum zwischen der Einsatzentscheidung durch die zuständige Rettungsleitstelle bis zum Eintreffen der ersten Rettungsmittel am Einsatzort. Dieser Zeitraum soll in 95 % der in einem Jahr im Rettungsdienstbereich zu erwartenden Notfalleinsätze 15 Minuten nicht übersteigen. (siehe Sitzung des Niedersächsischen Landtages vom 11.12.2008)
Notruf
Wählen Sie den Notruf über die EU-einheitliche Notrufnummer 112. Diese wird ohne Vorwahl auch aus dem Handynetz benutzt und verbindet den Anrufer immer mit der örtlich zuständigen Einsatzleitstelle. Alle Notrufe aus den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden laufen in der Kooperativen Regionalleitstelle (KRL) Weserbergland auf.
Sobald die Verbindung hergestellt ist, werden von dem Mitarbeiter in der Rettungsleitstelle die notwendigen Angaben präzise abgefragt.
Die genaue Notfall/Unfallmeldung ist für die Rettungskräfte sehr wichtig, da sie sich anhand der Informationen genau auf den Notfall/Unfall vorbereiten können. In Ihrer Notfall/Unfallmeldung sollten Sie knapp und präzise die folgenden fünf W beachten:
- Wo ist der Notfall/Unfall?
- Was ist geschehen?
- Wie viele Verletzte/Betroffene sind zu versorgen?
- Welche Verletzungen oder Krankheitszeichen haben die Betroffenen?
- Warten Sie immer auf Rückfragen der Rettungsleitstelle!
Notrufnummern in Deutschland
Polizei: 110
Feuerwehr: 112
Notruf: 112
Alarmierung
Während in der Leitstelle der Notruf abgefragt wird, d.h. dem Anrufer präzise alle notwendigen Fragen gestellt werden, werden die erhaltenen Informationen sofort in den Einsatzleitrechner (ELR) eingegeben und ein internes Alarmstichwort wird festgelegt. Je nach Notruf schlägt der ELR die in diesem Fall zu alarmierenden Einsatzkräfte anhand einer Alarm- und Ausrückeordnung (AAO) vor. Diese kann von der Leitstelle nach Bedarf ergänzt werden. Durch einen kurzen Tastenklick werden nun alle benötigten Einsatzkräfte über ein digitales Funkalarmierungsnetz des Landkreises Hameln-Pyrmont alarmiert. Dies gilt sowohl für Rettungsdienstmitarbeiter wie auch für Notärzte, Feuerwehren, Schnelleinsatzgruppen und das THW. Die Einsatzkräfte erhalten alle wichtigen Informationen zum Einsatzort und zum Notfallgeschehen als Textnachricht auf einen Meldeempfänger, den jede Einsatzkraft bei sich trägt.
Der DRK-Kreisverband arbeitet derzeit zusammen mit der KRL Weserbergland an einer weiteren Verbesserung der Alarmierung: Im Rahmen einer Testphase ist es bereits bei zwei Fahrzeugen möglich, dass zusammen mit der Funkalarmierung die Koordinaten des Einsatzortes vom ELR übermittelt und im Fahrzeug direkt an das Navigationssystem übergeben wird. Während die Rettungsdienstmitarbeiter noch zum Fahrzeug laufen, rechnet das Navi schon die Route zum Einsatzort aus. Außerdem übermitteln die Fahrzeuge ständig ihre Position an den ELR, damit die Leitstelle immer genau weiß, wo welches Fahrzeug ist und welches so schnell wie möglich am Einsatzort sein kann. Dieses innovative System soll in Zukunft in allen Fahrzeugen des DRK-Rettungsdienstes eingesetzt werden.
Ankunft und Erstversorgung
Umgehend fährt das gerufene Team zum Einsatzort. Hierbei können Sie uns sehr behilflich sein, indem Sie sich am Einsatzort bemerkbar machen. Viele Hausnummern sind im Vorbeifahren nicht zu erkennen. Insbesondere im Dunkeln geht oftmals viel Zeit verloren, wenn die Einsatzkräfte mehrmals aussteigen oder wenden müssen, um z. B. das richtige Haus zu identifizieren. Wenn Sie selbst Hausbesitzer sind, achten Sie am besten darauf, eine von beiden Richtungen gut einsehbare und kontrastreiche Hausnummer vorne am Haus anzubringen. Am Einsatzort werden alle erforderlichen Maßnahmen zur Erstversorgung getroffen, insbesondere das Wiederherstellen und Aufrechterhalten der Vitalfunktionen Atmung, Kreislauf und Bewusstsein. Hierzu gehören z. B. die Sicherung der Atemwege und ggf. die künstliche Beatmung, das Legen eines venösen Zugangs und die Gabe kreislaufwirksamer Medikamente, die Anlage einer Infusion und die Defibrillation (Elektroschock zum Wiederherstellen des Herzrhythmus). Auch wenn die Vitalfunktionen stabil sind, müssen ggf. weitere notfallmedizinische Maßnahmen ergriffen werden, um eine mögliche oder drohende Verschlechterung des Patientenzustandes zu verhindern. Auch eine medikamentöse Schmerzlinderung kann noch vor Ort durchgeführt werden. Hierzu ist es natürlich erforderlich, noch am Einsatzort eine fachgerechte Verdachtsdiagnose zu stellen, um die richtigen Maßnahmen einleiten zu können. Aus diesem Grund verfügen die Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeuge über eine umfangreiche notfallmedizinische Ausstattung, die die Diagnosestellung und die Überwachung des Patienten jederzeit sicherstellt.
Der Transport
Nicht selten denken Patienten und Angehörige: "Der Rettungsdienst kommt, gibt eine Spritze und alles ist wieder gut!" Dies ist leider nur in den seltensten Fällen so. In der Regel kommt kein Notfallpatient um einen Transport ins Krankenhaus herum. Zum einen liegt das daran, dass die Diagnose vor Ort meist nur eine Erstdiagnose ist, die im Krankenhaus mit weiteren Untersuchungen überprüft werden muss. Zum anderen besteht die Aufgabe des Rettungsdienstes nicht in der Therapie der Erkrankung oder Verletzung, sondern in der Erstversorgung. Das heißt in der Herstellung der Transportfähigkeit und der Einleitung der Therapie sowie dem Transport in das nächstgelegene geeignete Krankenhaus. Die Fortführung der Therapie einer Notfallerkrankung oder Verletzung kann nur im Krankenhaus erfolgen, da Notfallpatienten immer kontinuierlich überwacht werden müssen. Bei bestimmten nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen/Verletzungen kann unter Umständen auch ein Transport in eine Arztpraxis die Alternative sein. Aus diesem Grund wird der Patient nach der Erstversorgung mit einer Trage, einem Transporttuch, einem Tragestuhl oder bei größeren Verletzungen auch mit einer Vakuummatratze oder einem Spineboard in den Rettungswagen gebracht. Dort ggf. weiterversorgt und dann in das nächtgelegene Krankenhaus transportiert, welches mit seinen Fachabteilungen und freien Kapazitäten zur Therapie des Patienten geeignet ist.
Hinweise für Angehörige
Das Abarbeiten der notwendigen Formalitäten parallel zum bzw. im Anschluss an den Transport werden uns und dem Krankenhaus erleichtert, wenn Sie Ihre gültige Versicherungskarte Ihrer Krankenversicherung dabei haben. Halten Sie außerdem, wenn vorhanden, einen Medikamentenplan oder evtl. Dokumente über schwere Vorerkrankungen (z.B. Marcumar- oder Schrittmacherausweis) bereit. Falls Ihr Hausarzt vor Ort war und den Transport veranlasst hat, halten Sie bitte außerdem die Einweisungspapiere bereit.
Trotz allem: Bewahren Sie Ruhe! Panische Angehörige verursachen zusätzlichen Stress für den Patienten und behindern uns manchmal bei unserer Arbeit. Wir haben nicht immer die Zeit, alles ausführlich zu erklären ... aber wir werden dies nachholen, sobald dies möglich ist. Außerdem brauchen Sie sich nicht zu überschlagen , um irgendwelche Kleidungsstücke oder Hygieneartikel zusammenzupacken. Dies kann auch im Laufe des Tages erledigt werden. Für die ersten Stunden hält ein Krankenhaus alles Notwendige bereit.
Und noch etwas Wichtiges: Fahren Sie dem Rettungswagen nicht direkt hinterher, wenn dieser mit Sonder- und Wegerechten (Blaulicht und Martinshorn) zum Krankenhaus fährt. Sie gefährden damit nur sich selbst und andere. Dem Patienten wird damit NICHT geholfen. Wir können stattdessen einen Angehörigen im Fahrzeug mitnehmen. Alle anderen fahren im eigenen Interesse bitte vorsichtig und gesittet zum Krankenhaus.
Falls Sie als Patient allein zu Hause sind, bleiben Sie bitte ebenfalls ruhig. Vermeiden Sie jede weitere körperliche Aktivität und warten Sie mit dem Zusammensuchen der notwendigen Unterlagen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes. Die Kollegen werden Ihnen dabei helfen oder es ggf. selbst tun. Sollten irgendwelche Dokumente nicht zu finden sein ... machen Sie sich deswegen keine Sorgen. Wir nehmen Sie trotzdem mit und Sie werden auch genauso gut versorgt!
Ankunft im Krankenhaus
Ist das Krankenhaus erreicht, wird der Patient dort meistens schon erwartet. Während der Fahrt im Rettungswagen wird die nahende Ankunft im Krankenhaus je nach Zustand des Patienten und Erstdiagnose von unterwegs angemeldet. Das Personal in der Ambulanz weiß dann also schon, was zu tun ist, um den Patienten umgehend weiter zu versorgen.










